"Mal ein Auge zudrücken"

Fußballweltmeisterschaft 2026, Präsident Trump hebelt durch Intervention die rote Karte des US Fußballers Balogun aus. War das verabscheuungswürdig – oder ein Akt der Barmherzigkeit? Ein Regelbruch auf großer Weltbühne - in der Realität unseres Lebens, im Kleinen, trifft uns solch zwielichtiger Umgang mit Regeln mitunter auch selbst. Gute Regeln entstammen einem gemeinschaftlichen Konsens, ihre Einhaltung sichert unter uns ein Klima von Gerechtigkeit und Vertrauen und bietet einen gesicherten Freiraum für Entfaltung. Regeln begegnen uns auf Schritt und Tritt. Wer in Wohnung lebt, bekommt eine Hausordnung überreicht, beim ersten Schritt auf die Straße gilt die Straßenverkehrsordnung, sogar am Familientisch spielen sich ungeschriebene Regeln ein. Bestand haben sie allerdings nur, wenn auch ihre Einhaltung überwacht und ihre Verletzung entsprechend geahndet wird. Früher wurden Personen, die in grober Weise Regeln missachteten, auf dem Marktplatz an den Pranger gestellt.  Heute kennt jedes Regelwerk seine eigenen Schiedsrichter und Instrumente, um seine Durchsetzung zu sichern. Das Internet als Pranger zu nutzen ist eine hässliche und nicht akzeptable Art der Selbstjustiz.

Regeln und Vorschriften sind gemacht, um sie einzuhalten, sagen die einen, Regeln und Vorschriften sind nicht in Stein gemeißelt, sagen die anderen, denn sie müssen vor allem dem Leben dienen und sich weiterentwickeln. Es gibt in der Tat Ausnahmesituationen, in denen es Barmherzigkeit oder sogar moralische Pflicht sein kann, Regeln, Vorschriften und sogar Gesetze zu übertreten. Die Geschichte kennt zahllose Namen und Ereignisse, die durch ihren Mut zur Übertretung der Menschheit einen großen Dienst erwiesen. Und das ist das Unterscheidungsmerkmal: Ausnahmen müssen durch mehr Menschlichkeit begründet sein, sie dürfen nicht der Macht, dem Eigennutz und dem Einfluss einzelner (Gruppen) dienen. Um der Menschlichkeit willen macht es Sinn, „auch mal ein Auge zuzudrücken“!

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